Forschungsprojekt

Die Mitglieder der NSDAP 1925-1945. Eine quantitative sozialhistorische Analyse (Arbeitstitel)


Finanzierung
Senior-Forschungsprofessur der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und des Landes Rheinland-Pfalz, inneruniversitäre Forschungsförderung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sowie Förderungsmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Beschreibung
Unser Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Mitgliedern der NSDAP in den Jahren 1925-1945. Auf diesem Forschungsgebiet wurden bis dato erst wenige statistisch fundierte Untersuchungen vorgenommen, die vorwiegend aus dem angelsächsischen Bereich stammen. Ihnen lastet jedoch das Manko an, mit zu geringen oder teilweise sogar fehlerhaften Datengrundlagen gearbeitet zu haben, weshalb bis heute keine umfassende Untersuchung der NSDAP-Mitgliedschaft vorliegt, die strikten wissenschaftlichen Kriterien genügt. An dieser Stelle setzt unser Projekt mit der Zielsetzung an, diese Lücke zu schließen und Erkenntnisse aus früheren Werken von Prof. Falter über die NSDAP-Wähler und Mitglieder – beispielsweise „Hitlers Wähler“ (1991), „Die Jungmitglieder der NSDAP zwischen 1925 und 1933“ (1993) oder „Die ‚Märzgefallenen‘ von 1933“  (1998) – zu ergänzen und auszubauen. Zu diesem Zweck wurde eine Stichprobe für die Jahre 1925-1933 aus der im Bundesarchiv in Berlin liegenden NSDAP-Mitgliederkartei durch eine entsprechende Stichprobe für die Jahre 1934-1945 ergänzt. So bildet nun ein rund 50.000 Fälle starker Datensatz die Grundlage unseres Projekts. Dieser umfasst – weltweit einzigartig – so gut wie alle auf den NSDAP-Mitgliederkarteien enthaltenen Informationen. Die angestrebten substantiellen Analysen sollen sich dabei einerseits auf Fragen nach der Herkunft, der beruflichen Zusammensetzung, dem Alter, der Verweildauer etc. der NSDAP-Mitglieder beziehen, andererseits durch die Einbeziehung von Kontextdaten wie beispielsweise der Konfessionsfärbung des Wohn- und Geburtsorts (also eher protestantisch oder eher katholisch), seiner Wirtschaftsstruktur oder der Arbeitslosenrate zu bestimmten Zeitpunkten auch die Beantwortung von Fragen erlauben, die bisher anhand der Informationen auf den Mitgliederkarteien allein nicht beantwortet werden konnten. Diese Weimarer Wahl- und Sozialdaten wurden im Rahmen früherer Projekte zusammengetragen (verfügbar über GESIS). Mit ihrer Hilfe lassen sich etwa die Fragen beantworten, aus welchen lokalen Kontexten die NSDAP-Mitglieder kamen und wie sich die NSDAP organisatorisch in Gebieten mit hoher oder niedriger Arbeitslosigkeit entwickelte. Übergeordnetes Ziel dieser spezifischen Fragestellungen ist es, bestimmte Ein- und Austrittswellen sichtbar zu machen, denen sich jeweils spezielle (Neu-) Mitgliedstypen zuordnen lassen.

Publikationen im Rahmen des Projektes:

Falter, Jürgen W.  Hrsg. (2016): Junge Kämpfer, Alte Opportunisten. Die Mitglieder der NSDAP 1919–1945. Frankfurt a.M.

Falter, Jürgen W. (2016): Die Mitglieder der NSDAP 1925–1945. Junge Kämpfer – Alte Opportunisten. In: Backes, Uwe/ Gallus, Alexander/ Jesse, Eckhard (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie Band 28. Baden-Baden, S. 35-63.

Falter, Jürgen W. (2013): Zur Soziographie des Nationalsozialismus. Studien zu den Wählern und Mitgliedern der NSDAP. Historical Social Research (HSR) Supplement 25. Köln: GESIS.

Falter, Jürgen W. (2013): Der Aufstieg der NSDAP 1928-1933 im Lichte des Cleavage-Konzeptes von Lipset und Rokkan. In: Jeschke, Sven u.a. (Hrsg.): Medienzentrierte Demokratien: Befunde, Trends, Perspektiven. Festschrift für Univ.-Prof. Dr. Fritz Plasser. Wien, S. 279-293.

Falter, Jürgen W. (2013): Political Cleavages in the Weimar Republic and the Rise of National Socialism. In: European Political Science, S. 1-11.